Forum Streitschlichtung 2018

Es ist schon seit Jahren gute Tradition, dass  die Thomas-Morus-Akademie als Veranstalter in Kooperation  mit uns, den BMM-Trainerinnen und –Trainern,  im Frühjahr zum Forum Streitschlichtung nach Bensberg lädt. Wir  wenden uns  an Schulmediatorinnen und Schulmediatoren, die in Bensberg nach dem BMM ausgebildet worden sind und natürlich an alle, die auf das BMM neugierig geworden sind.

Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Thema „Streitschlichtung beginnt im Kopf“. Als Gastreferent war der bekannte Hirnforscher Prof. Jochen Bauer angekündigt. Leider erging es ihm  wie vielen Menschen in diesem Jahr, die Grippe verhinderte sein Kommen. Innerhalb von nur einem Tag entschlossen wir uns, die Tagung, den Erfahrungsaustausch und die Kurzworkshops zum BMM dennoch stattfinden zu lassen.

Kurz und gut: Die Teilnehmer wurden über die notwendigen Programmänderungen informiert. Und es war nur eine Handvoll, die absagte, da sich alle anderen besonders auf die Workshops und den Austausch im tollen Ambiente des Kardinal-Schulte-Hauses freuten.

Am 28.2. konnten wir ca. 60 Teilnehmer begrüßen, die nun die Gelegenheit erhielten, an zwei der acht angebotenen Workshops teilzunehmen, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen.

Zudem konnten sie sich anhand der Infos in den Workshops und der bereitgestellten neuen Materialien im Modell updaten.

Auch wir Trainerinnen und Trainer waren froh über den regen Austausch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nicht selten entstehen daraus neue Ideen und Projekte

Die Workshops im Einzelnen:

Aus der Praxis für die Praxis – Übungen rund um das Klassentraining mit Zeit zum Austausch & Vernetzung (Sabine Esser, Trainerin BMM)

Erst-Hilfe im Streit nach dem Bensberger Mediations-Modell (BMM) in der GS (Dr. Stefan Betting, Trainer BMM)

Herzenskreis   (Diana Otte, Trainerin BMM)

Erst-Hilfe nach dem BMM in der Sek   (Teresa Kemper, Trainerin BMM)

„Anders streiten“ in der Sek I nach dem BMM   (Barbara Kreuser, Trainerin BMM)

Intervention bei Mobbing - ein erster Schritt - das Gespräch mit dem Betroffenen (Liz Mölders Trainerin BMM) 

Neue Arbeitsmaterialien zum BMM   (Meike Mennekes, Trainerin BMM)

Erfahrungsaustausch und individuelle Beratung zum BMM (Barbara Kreuser & Liz Mölders)

Abschließend wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten die Veranstaltung zu bewerten und uns Veränderungswünsche mitzuteilen. Fast alle Anwesenden beteiligten sich an dieser Evaluation.

Die Äußerungen waren sehr positiv und dankbar. Hier einige Beispiele:

 „Ich freue mich, dass es das BMM gibt und Menschen, die so viel Einsatz zeigen, es zu vermitteln und zu entwickeln“.

„Wie immer schön, fast wie Wellness!“

Tolle Struktur mit zwei Workshopschienen!“ „Sehr angenehme Atmosphäre!“

Wir haben auch aus den guten Gesprächen am Rande viele Anregungen für unsere weitere Arbeit erhalten.

…und somit starten wir mit der Vorbereitung für das Forum 2019!

Aber vorher kommt noch die Fachtagung Schulmediation in Ingelheim, am 16.5.2018 an der Fridtjof-Nansen-Akademie (www.fna-ingelheim.de). Es ist dieses Jahr schon die 16. Fachtagung.

Wir BMMler freuen uns, dort „alte“ und „neue“ Interessierte in Sachen Schulmediation, BMM, zu treffen.

(Sabine Esser & Liz Mölders)

Botschafter der Schulmediation

Zum Tod von Günther Braun (1931-2018)


Als Günther Braun im Sommer 1995 zu einem Gespräch in die Thomas-Morus-Akademie nach Bensberg kam, um für die Schulmediation und für Fortbildungen zur Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler zu werben, war ich zuerst skeptisch, ob das ein erfolgreiches Modell für die Schule ist. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden. Nachdem Günther Braun, zusammen mit einem Lehrer seiner ehemaligen Schule, Wolfgang Hünicke, das seit drei Jahren an seiner Schule praktizierte Konzept im Rahmen einer Tagung vorgestellt hatte, gab es so viele Anfragen, dass wir in der Akademie im Frühjahr 1996 mit einem Workshop für Lehrende aus der Sekundarstufe begannen. Dieser löste in der Folge eine umfangreiche Aktivität an Fortbildungen in der Thomas-Morus-Akademie sowie darüber hinaus aus. Seine Initiative, seine Ideen und seine Beharrlichkeit führten zur Entwicklung des Bensberger Mediations-Modells, das heute ein umfangreiches Trainingskonzept vom Elementarbereich bis zur Berufsschule anbietet. Günther Braun kann ohne Zweifel als Vater des Modells bezeichnet werden. 

1931 in Schlesien geboren, fand er nach dem Krieg im Westen eine neue Heimat. Nach dem Studium für das Lehramt an Volksschulen (1952-1954) und für Realschulen (1958-1960) unterrichtete er viele Jahre als Lehrer, bis er 1980 die Leitung der Realschule in Sundern im Sauerland übernahm. Diese leitete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994. Danach schloss sich eigentlich für ihn eine neue quasi-berufliche Phase an, denn sein Engagement für die Schulmediation prägte entscheidend seinen weiteren Lebensweg. Seit 1995 war er als Referent und Trainer für Mediation an Schulen tätig. Neben den Trainings in der Thomas-Morus-Akademie war er für die Schulmediation im gesamtenBundesgebiet unterwegs. Ob in Fortbildungseinrichtungen, wie im Landesinstitut in Soest oder dem Weiterbildungszentrum in Ingelheim, ob in Gymnasien, Realschulen oder Kindertagesstätten ... immer ging es Günther Braun um Vermittlung der Idee, dass Mediation ein erfolgreicher und gangbarer Weg ist, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Immer wieder suchte er nach neuen Wegen und alternativen Methoden, eine mediative Haltung zu vermitteln, die Menschen das Zusammenleben einfacher macht und Brücken zueinander bauen hilft. „Mediation beginnt bei jedem von uns selbst!“ war ein Motto von ihm. Getragen war er dabei von seiner christlichen Grundüberzeugung. Immer ging es darum, einen Konflikt, ein Problem zu bekämpfen, nie die Person. 

Als Mediator BM und Ausbilder für Mediation BM war er viele Jahre im Bundesverband Mediation e.V. aktiv. Er war Mitgründer der Fachgruppe„Mediation in Erziehung und Bildung“, die er lange geleitet hat und deren heutige Standards auch auf seine Initiative und Bemühungen zurückgehen. Bis kurz vor seinem Tod hat er Anteil genommen an den Weiterentwicklungen in der Schulmediation, die er maßgeblich über Jahrzehnte in Deutschland geprägt hat. Seine Prägung als Pfadfinder trug ihn auch in schwierigen Zeiten seines Lebens und war für alle, die mit ihm zu tun hatten, ein lebendiger Ansporn. „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“ (Robert Baden-Powell, Gründer der Pfarrfinderbewegung) stand auf seiner Todesanzeige. Wir werden ihn immer in dankbarer Erinnerung behalten.


Andreas Würbel

Geburtstag

Das Bensberger Mediations-Modell®, das in der Thomas-Morus Akademie unter der Leitung von Günther Braun entwickelt wurde, hatte im letztem Frühjahr Geburtstag. Es ist 20 Jahre alt geworden. Darauf können alle Personen, die zu seiner Weiterentwicklung und Verbreitung beigetragen haben, sehr stolz sein.

Update Kurse

Das Bensberger Mediations-Modell® hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Allein die Themen „Inklusion“ und die Beschulung der Flüchtlingskinder haben neben anderen Themen zu weitreichenden Veränderungen geführt und die Entwicklung neuer Übungsbausteine und Arbeitsmaterialien notwendig gemacht. Da die Qualifizierung einiger Teilnehmer schon einige Zeit zurückliegt, werden die Neuigkeiten und Weiterentwicklungen in Fortbildungsveranstaltungen vermittelt.

Neue Arbeitsmaterialien

Für die Streithelferausbildung in der Grundschule hat die MeMoMix GbR neue farbige Büchlein für die Hand der Kinder entwickelt. So kann jeder Streithelfer sein eigenes Streithelferbuch erhalten, das die wichtigsten Phasen seiner fundierten Ausbildung gut unterstützt.

Speziell für die Kinder, die wenig oder gar nicht Deutsch sprechen können, z.B. die Flüchtlingskinder, sind die Ergänzungsmaterialien „Erst-Hilfe im Streit Plus“ entwickelt worden. Zu allen 5 Schritten der „Erst-Hilfe im Streit“ sind für die Kinder gut verständliche Bilder gezeichnet worden, auf die die Kinder bei der Konfliktbearbeitung zeigen können.

Für Schulkinder ab Klasse 5, Jugendliche und junge Erwachsene ist die neue Mappe „Erst-Hilfe im Streit – Sekundarstufe“ geeignet. Die farbige oder schwarz-weiße Gestaltung der Bilder gibt die Möglichkeit, auf die verschiedenen Rahmenbedingungen in Konfliktsituationen zu reagieren und sich die passende Erst-Hilfe herauszusuchen. Als Streitschlichter agiert wahlweise eine männliche oder weibliche Person.

Veröffentlichungen

Der Westermann Verlag hat in seiner Zeitschrift „Grundschule“ Heft 6 August 2016 „Jede Stimme zählt“ einen ausführlichen Artikel über das Bensberger Mediations-Modell® in der Grundschule veröffentlicht, der einen guten Überblick über das Modell gibt.